Mit zunehmenden Temperaturen steigt bereits ab Mitte Februar / Anfang März das Risiko für einen Zeckenstich und damit eine FSME-Übertragung wieder an. Im Folgenden finden Sie einige Informationen zur Erkankung und Impfung aus meiner allgemeinärztlichen Sicht.
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
Was ist FSME?
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine durch Viren verursachte Erkrankung des zentralen Nervensystems. Das FSME-Virus kann eine Entzündung der Hirnhäute, des Gehirns oder des Rückenmarks auslösen. Die Übertragung erfolgt durch den Stich infizierter Zecken.
Im Unterschied zur Borreliose handelt es sich bei FSME um eine Virusinfektion, gegen die Antibiotika nicht wirksam sind. Es existiert keine kausale Therapie. Die FSME-Impfung bietet einen zuverlässigen Schutz.
Warum ist FSME im Landkreis München relevant?
Der Landkreis München liegt vollständig in einem laut STIKO ausgewiesenen FSME-Risikogebiet. Das heißt, daß hier in den letzten Jahren eine aufällige Häufung an FSME Erkrankungen fetsgestellt worden ist. Ganz Bayern gehört seit Jahren zu den Bundesländern mit den höchsten FSME-Fallzahlen in Deutschland. Auch in stadtnahen Gebieten, Parks, Gärten, an Isarauen oder im Umland kommen infizierte Zecken vor. Ein besonders hohes FSME Risiko besteht auch in den von Münchnern gerne besuchten grenznahen Regionen Österreichs.
FSME ist keine klassische „Waldkrankheit“. Schon kurze Aufenthalte im Grünen – Spazierengehen, Gartenarbeit, Spielen mit Kindern, Reiten, Wandern, Golfspielen, Baden an der Isar, Besuche im Englischen Garten oder einem der vielen anderen Stadtparks – reichen für einen Zeckenstich aus. Bis zu ca 5 % der Zecken im Risikogebiet tragen das FSME Virus. Bei bis zu ca 30% der von infizierten Zecken Gestochenen erfolgt eine Übertragung über den Speichel der Zecke auch schon nach kurzer Kontaktzeit.

Symptome und Krankheitsverlauf
FSME verläuft sehr unterschiedlich – von mild bis schwer. Nach einem Zeckenstich treten die ersten Beschwerden meist nach etwa 7–14 Tagen auf, in Einzelfällen früher oder deutlich später. Es findet sich ein typischer zweiphasiger Verlauf:
In einer ersten Phase treten grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Schwindel auf. Bei etwa 70 % der Betroffenen heilt die Erkrankung in dieser Phase vollständig aus. Bei rund 30 % der Infizierten kommt es aber nach einem kurzen fieberfreien Intervall zu einer Entzündung von Gehirn, Hirnhäuten oder Rückenmark. Mögliche Symptome sind dann:
- starke Kopfschmerzen
- Nackensteife
- Erbrechen
- Bewusstseins- und Koordinationsstörungen
- Lähmungen, Krampfanfälle
- Sprach-, Schluck- oder Atemstörungen
Auch dieses Krankheitsstadium heilt häufig folgenlos aus. Allerdings kann das mitunter Monate und sogar bis zu Jahre dauern und in einem kleinen Teil der Fälle bleiben auch andauernde Schäden zurück. Die Sterblichkeit in diesem Stadium beträgt 1%.
Mit zunehmendem Lebensalter verlaufen FSME-Infektionen häufiger schwer. Kinder erholen sich meist schneller, sind aber nicht grundsätzlich geschützt.
Wie häufig sind schwere FSME-Verläufe?
Nicht jede Infektion macht krank – aber wenn es zur Erkrankung kommt, ist sie potenziell gravierend. Genaue Zahlenangaben sind schwierig, da die Daten zur Übertragung nach einem Zeckenstich stark variieren.
Verlauf bei infizierten Personen
| Verlauf | Häufigkeit |
|---|---|
| Asymptomatisch | ca. 70 % |
| Grippeähnliche Phase | ca. 30 % |
| ZNS-Beteiligung (Meningitis/Enzephalitis/Myelitis) | ca. 10 % der Infizierten |
| Schwere neurologische Defizite (bleibend) | ca. 1–2 % der Erkrankten |
| Letalität (Erwachsene) | ca. 0,3–2 % |
| Letalität (ältere Menschen) | höher, altersabhängig |
Typische bleibende Schäden:
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- Lähmungen
- Gang- und Koordinationsstörungen
- chronische Fatigue
Quelle: Robert Koch-Institut, WHO, Deximed
Was Sie selbst tun können
- Nach Aufenthalten im Grünen den Körper gründlich nach Zecken absuchen
- Zecken möglichst rasch und korrekt entfernen
- Einstichstelle desinfizieren
- Bei unklarem Impfschutz Kontakt zur Hausarztpraxis aufnehmen (z. B. auch wegen Tetanus)
- Mechanische Schutzmaßnahmen (lange Kleidung, Repellents, Meiden von hohem Gras) sind sinnvoll, bieten aber keinen vollständigen Schutz.
In FSME-Risikogebieten – wie dem Landkreis München – gilt:
➡️ Die FSME-Impfung ist eine wirksame und zuverlässige Vorsorgemaßnahme.
FSME-Schutzimpfung
Die Impfung ist insgesamt gut verträglich. Lokale Reaktionen und kurzzeitiges Unwohlsein sind möglich, schwere Nebenwirkungen sind aber sehr selten. Die FSME Impfung hat eine sehr hohe Wirksamkeit (über 98 % Schutz nach abgeschlossener Grundimmunisierung). Laut Ständiger Impfkommission (STIKO) wird sie für Kinder und Erwachsene in Risikogebieten empfohlen. Sie ist zugelassen ab dem 1. Lebensjahr.
Die 10 häufigsten Nebenwirkungen (alle Altersgruppen)
Die in Deutschland verfügbaren FSME-Impfstoffe gelten als gut verträglich. Die Nebenwirkungen sind überwiegend mild bis moderat und vorübergehend.
| Nebenwirkung | Häufigkeit |
|---|---|
| Schmerzen an der Einstichstelle | sehr häufig (≥ 10 %) |
| Rötung an der Einstichstelle | häufig (1–10 %) |
| Schwellung an der Einstichstelle | häufig (1–10 %) |
| Müdigkeit / Abgeschlagenheit | häufig (1–10 %) |
| Kopfschmerzen | häufig (1–10 %) |
| Muskelschmerzen | häufig (1–10 %) |
| Gelenkschmerzen | gelegentlich (0,1–1 %) |
| Fieber (> 38 °C) | häufig bei Kindern, gelegentlich bei Erwachsenen |
| Übelkeit | gelegentlich (0,1–1 %) |
| Schüttelfrost | gelegentlich (0,1–1 %) |
- Die meisten Reaktionen treten in den Stunden und ggf. Tagen nach der Impfung auf und halten für ca 1–3 Tage an. Sie heilen zumeist ohne weitere Therapie aus.
- Schwere allergische Reaktionen sind sehr selten (ca. 1 bis 10 pro 1 Millionen Impfungen)
- Neruologische Komplikationen der Impfung wie z.B. Myelitis wurden sehr selten berichtet (ca 1 Fall pro 1 Millionen Imfungen), die kausalen Zusammenhänge sind nicht klar bestätigt
- Das Guillan-Barré Syndrom, eine seltene, akut einsetzende Autoimmunerkrankung des peripheren Nervensystems, wurde in Einzelfällen auch im zeitlichen Zusammenhang mit einer FSME Impfung berichtet, die kausalen Zusammenhänge sind nicht klar bestätigt
Quelle: Fachinformationen der Impfstoffe; Paul-Ehrlich-Institut, Robert Koch-Institut
Mein Risiko-Nutzen-Vergleich
In Risikogebieten ist das Risiko für eine Infektion mit FSME-Viren relativ hoch. Zeckenstiche sind bei uns sehr häufig und ungefähr eine von 200 Personen bekommt nach einem Zeckenstich eine schwere langandauernden Erkrankung. Ungefähr 1 von 10 Tausend Patient*innen bekommt nach Zeckenstich bleibende Schäden.
Auf der anderen Seite ist die Impfung insgesamt sehr gut verträglich. Schwere allergische Reaktionen (die man normalerweise bei entsprechender Ausrüstung auch gut beherrschen kann) sind sehr selten und betreffen ca. 1 von 1 Millionen geimpften Personen. Bleibende Schäden nach der Impfung sind noch seltener.
➡️ Die Impfung ist um ein Vielfaches sicherer als die Erkrankung.
Die Grundimmunisierung besteht aus 3 Impfungen, typischerweise Tag 0, nach 4 Wochen und nach 6 Monaten. Ein Schnell-Immunisierungsschema ist möglich. Für Patienten unter 50 Jahren wird eine einzelne Auffrischimpfung in Deutschland spätestens alle 5 Jahre empfohlen, ab 50 Jahren alle 3 Jahre.
Eine Impfung nach einem Zeckenstich kann eine bereits erfolgte Infektion nicht verhindern.
Ich habe aber noch nie in meinem Leben einen Zeckenstich gehabt
Immer wieder berichten Patienten, dass sie noch nie in Ihrem Leben einen Zeckenstich gehabt haben, während andere Patienten schon häufig bis sehr häufig Zeckenstiche abgekommen haben. Die Zusammenhängen sind tatsächlich nicht abschließend geklärt. Es gibt Hinweise, dass Körpertemperatur, Körpergeruch und Hautchemie, genetische Faktoren und Verhaltensfaktoren eine Rolle spielen. Leider gibt aber auch das keine wirkliche Sicherheit. Zeckenstiche bleiben sehr häufig schmerzlos und unbemerkt. Nicht bemerkt heißt also nicht unbeding nicht gehabt. Und immer wieder begegnen uns Menschen, die bislang noch nie einen Zeckenstich hatten und dann eben doch – in jedem Lebensalter – ihren ersten Zeckenstich wahrnehmen. Menschen mit vielen Zeckenstichen haben aber natürlich ein höheres Risiko als Menschen mit nur ganz seltenen Zeckenstichen.
Mein Fazit:
„Das Infektions- und Erkrankungsrisiko an FSME ist abhängig vom Lebensraum und Lebensstil insgesamt nicht sehr hoch, aber doch ganz real. Die Impfung ist im Allgemeinen gut verträglich und sehr wirkungsvoll. Nach individueller Riskoabschätzung raten wir häufig zu einer Impfung“
Sehr sachkompetente, zuverlässige, gut recherchierte und auch für Patienten aufgearbeitete Informationen zu diesem und vielen anderen relevanten allgemeinärztlichen Themen finden Sie auch bei der „Deutschen Experteninformation Medizin“ Deximed, die wir in der Praxis schon seit Jahren häufig nutzen und mit einem Abonnement unterstützen.