Ein Angebot an chronisch erkrankte oder schon fortgeschritten gealterte Menschen, die selbst aktiv ihre weitere medizinische Versorgung in akuten gesundheitlichen Krisen, in denen sie selbst nicht einwilligungsfähig sind, mitgestalten wollen.
In den letzten Wochen habe ich eine sehr intensive und ganz herausragende Fortbildung zum Thema Advance Care Planning / Integrierte Notfallplanung absolviert. Die Entwicklung von Advance Care Planning (ACP) in Deutschland und international ist eng mit einem grundlegenden Wandel in der Medizin verbunden: weg von einer rein lebenserhaltenden Perspektive hin zu einer Medizin, die sich am individuellen Behandlungswillen des Menschen orientiert. Also weg von der Frage: „Was ist hier maximal medizinisch möglich?“ hin zu der Frage: „Was ist hier zum Wohl dieses Patienten?“
Die Fortbildung erfolgte direkt durch einen der Experten für ACP in Deutschland, Univ.-Prof. Dr. med. Jürgen in der Schmitten, Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Essen. Diese Fortbildung im kleinen Kreis sehr erfahrener und gebildeter Kollege war wirklich ein echtes Higlight! Nicht nur wurden umfassend Sachinhalte vermittelt, sondern es wurde auch mit Hilfe einer äußerst professionellen, extra engagierten Simulationspatientin Haltungen, Gesprächskompetenzen und Gesprächssituationen trainiert.
Es war mir selbst gar nicht so klar: die übliche Patientenverfügung, die viele von Ihnen verfasst haben, greift in einer Notfallsituation häufig nicht. Die Sachverhalte sind zu komplex und ausschließlich auf eine langfristige Perspektive ausgerichtet.
Man muss sich aber bewusst machen: Wenn man die von vielen unerwünschte und gefürchtete Vollpflegesituation mit schwersten körperlichen und geistigen Einschränkungen wirklich vermeiden will, dann muss man sich auch die Möglichkeit und Erlaubnis geben, bei Zeiten an einer akut hinzutretenden Erkrankung versterben zu dürfen.
Die im Rahmen des Advance Care Plannings Prozesses erstellte Integrierte Notfallplanung ermöglicht eine verbindliche Anweisung an Rettungsdienst und Notfallmediziner, was im Krisenfall getan und gelassen werden soll. Sie ist also eine Erweiterung und Konkretisierung Ihrer bereits bestehenden Patientenverfügung und wird deshalb gerne auch als Patientenverfügung 2.0 oder als Patientenverfügung Plus bezeichnet.
Die Verfügung der Integrierten Notfallplanung ist nicht eine Anweisung, die mal eben so durch ein paar Kreuzchen auf einem Blatt Papier erfolgen kann. Sie setzt einen intensiven, qualifiziert begleiteten Gesprächs- und Befähigungsprozess voraus, um Ihnen wirklich eine tragfähige, informierte und selbstbestimmte Entscheidung zu ermöglichen.
Konkret erfolgt in einem ersten Schritt eine Klärung Ihrer aktuellen Lebenssituation, Ihres Lebenswillens und Ihrer Einstellung zum Sterben und Tod. Dann erarbeite ich mit Ihnen die Frage, inwiefern eine medizinische Behandlung dazu beitragen darf, Ihr Leben in einer Krise zu erhalten und ob es für Sie persönlich Situationen gibt, in denen Sie keinesfalls mehr lebenserhaltend behandelt werden wollen. Dieser Gesprächsprozess ist intensiv und zeitaufwendig, er ist aber auch sehr wertvoll, um mit Ihnen und möglichst auch Ihrem bevollmächtigten Vertreter, ganz offen und ehrlich Ihre Einstellungen und Erwartungen, sowie etwaige Sorgen und Ängste herauszuarbeiten.
Erst auf Basis dieses intensiven Gesprächs zur Therapiezielfindung erarbeiten wir dann gemeinsam eine konkrete und verbindliche Anweisung an das Notfall-Personal und können dann so im Krisenfall eine nach Ihren Wünschen und Zielen gerichtete medizinische Versorgung ermöglichen.
Das ACP Gespräch zur Integrierten Notfallplanung ist also eine wunderbare Möglichkeit, um Ihre Vorstellungen und Ansichten zu formulieren, für sich und auch für Ihren bevollmächtigten Vertreter mehr Sicherheit und Verständnis zu finden und Ihrem Selbstbestimmungsrecht Ausdruck zu verleihen. Die Integrierte Notfallplanung wird insbesondere von den Rettungsdiensten sehr geschätzt, da sie klare Handlungsanweisungen gibt. Sie wird von der Bayerischen Staatsregierung explizit befürwortet und zum Beispiel vom ambulanten palliativmeidzinischen Dienst (SAPV) des Universitätsklinikums Großhadern routinemäßig den Patient*innen angeboten.
Ich unterstütze Sie gerne bei diesem intensiven Prozess. Aufgrund des Zeitaufwands und der Komplexität ist für mich aktuell maximal ein Gespräch zur Integrierten Notfallplanung / ACP pro Woche möglich. Die ersten beiden Gespräche, die dann im Rahmen der Weiterbildung kollegial nachbesprochen werden, kann ich Ihnen kostenlos anbieten.
Eine Terminvereinbarung ist aktuell nur telefonisch oder per Email möglich und nicht über unser Online-Buchungsportal. Es muss immer vorab eine Einschätzung durch mich erfolgen, ob die Integrierte Notfallplanung in Ihrer aktuellen Situation wirklich geeignet ist.
Da ich nicht weiß, inwiefern die privaten Krankenversicherer die Kosten für diese zwar medizinisch und ethisch äußerst sinnvolle, aber im völlig veralteten Gebührenrahmen der Gebührenordnung für Ärtze (GOÄ) nicht enthaltene, umfassende Gesprächs- und Planungsleistung übernehmen werden, müssen Sie vorab eine Kostenübernahmeerklärung unterzeichnen. Gerne senden wir ihnen einen entsprechenden Kostenplan zu.
Weitere Informationen zu Advance Care Planning / Integrierte Notfallplanung finden Sie zum Beispiel auch hier:
https://www.advancecareplanning.de/infos-ressourcen/integrierte-notfallplanung/