In wenigen Wochen geht es für uns nach Mexiko. Die Vorfreude ist riesig – Koffer werden gepackt, Flüge gebucht und die Route steht fest.

In der Praxis werden wir häufig gefragt, welche Impfungen für Fernreisen sinnvoll sind. Als fast fertige Physician Assistant und Impfassistentin mit reisemedizinischem Schwerpunkt, gehört das zu meinem Arbeitsalltag. Umso spannender war es, die Empfehlungen dieses Mal auf unsere eigene Familienreise nach Mexiko anzuwenden.
Dabei merke ich immer wieder, dass viele Reisende die Gesundheitsrisiken unterschätzen. Es sind oft nicht die spektakulären Gefahren, sondern die kleinen Dinge, die den Unterschied machen.
Deshalb möchte ich Ihnen heute vier Punkte mitgeben, die ich auch für meine eigene Familie noch einmal überprüft habe.
Tollwut – Ein Kratzer reicht
Wenn ich in der reisemedizinischen Beratung das Thema Tollwut anspreche, denken viele zunächst an Safaris, die Big Five oder andere exotische Wildtiere. Aber seien wir ehrlich: Wer wird schon von einem Löwen gebissen?
Viel häufiger sind es ganz alltägliche Begegnungen mit Tieren, die zum Problem werden können. Streunende Hunde begegnen einem in vielen Ländern an jeder Straßenecke. Fledermäuse kommen weltweit vor. Und wer schon einmal in Asien war, weiß, wie schnell einem ein neugieriger Affe das Essen oder die Sonnenbrille aus der Hand reißen kann.
Ein Kratzer ist schneller passiert, als man denkt. Aber auch Speichel, der mit einer offenen Wunde oder Schleimhaut – zum Beispiel am Auge oder im Mund – in Kontakt kommt, kann eine Übertragung ermöglichen.
und dann?
Die wichtigste Maßnahme beginnt nicht im Krankenhaus, sondern direkt vor Ort: Die Wunde sollte sofort mehrere Minuten lang gründlich mit Wasser und Seife ausgewaschen werden. Einfach nur zu desinfizieren reicht nicht aus.
Bei einem möglichen Tollwutkontakt gilt: Auch bereits vorbeugend geimpfte Personen müssen umgehend ärztlich behandelt werden. Der entscheidende Unterschied besteht jedoch darin, dass sie keine Tollwut-Immunglobuline benötigen und die Nachbehandlung deutlich einfacher ist.
Bei ungeimpften Personen muss die Postexpositionsprophylaxe möglichst noch am selben Tag beginnen. Je nach Art der Verletzung umfasst sie eine sofortige Impfserie sowie Tollwut-Immunglobuline, die direkt in und um die Wunde verabreicht werden.
Gerade die Verfügbarkeit dieser Immunglobuline ist in vielen Reiseländern eingeschränkt. Deshalb lohnt es sich, sich bereits vor der Reise mit dem persönlichen Risiko und einer möglichen vorbeugenden Impfung auseinanderzusetzen.
Mückenschutz ist mehr als nur eine Frage des Komforts
Wer an Mücken denkt, denkt häufig zuerst an juckende Stiche. In vielen Reiseländern können Mücken jedoch Krankheiten wie Dengue-Fieber oder Chikungunya übertragen. Beide Erkrankungen können mit hohem Fieber sowie starken Muskel- und Gelenkschmerzen einhergehen und den Urlaub schnell beenden.
Und das Thema kommt näher: Die asiatische Tigermücke breitet sich inzwischen auch in Europa und in Deutschland aus. Ein guter Mückenschutz ist deshalb längst nicht mehr nur auf Fernreisen ein wichtiges Thema.
Für mich gehört ein konsequenter Mückenschutz deshalb zur Reisevorbereitung:
- Bei Fernreisen empfehlen wir in der Regel ein Repellent mit einer hohen DEET-Konzentration (etwa 50 %), sofern keine individuellen Gegenanzeigen bestehen.
- Tragen Sie möglichst helle, lange Kleidung – besonders in den Morgen- und Abendstunden.
- Schlafen Sie nach Möglichkeit unter einem Moskitonetz oder nutzen Sie nachts eine Klimaanlage. Kühle Räume sind für Mücken deutlich unattraktiver.
- Denken Sie an die richtige Reihenfolge: Zuerst den Sonnenschutz auftragen, anschließend das Mückenschutzmittel.
- Repellents müssen regelmäßig entsprechend den Herstellerangaben erneuert werden – insbesondere nach starkem Schwitzen oder nach dem Schwimmen.
Mit wenigen einfachen Maßnahmen lässt sich das Risiko für durch Mücken übertragene Erkrankungen deutlich reduzieren – und oft auch der Urlaub entspannter genießen.
Lebensmittelhygiene bleibt ein Klassiker
Der berühmte „Reisedurchfall“ ist nach wie vor eines der häufigsten Gesundheitsprobleme auf Reisen.
In der Reisemedizin gibt es dazu einen einfachen Merksatz:
„Cook it, peel it or forget it.“
Also: Koche es, schäle es oder lass es lieber sein.
Was einfach klingt, hilft tatsächlich bei vielen Entscheidungen im Urlaub. Vorsicht ist insbesondere bei ungewaschenem Obst und Gemüse, Salaten, nicht ausreichend erhitzten Speisen oder Eiswürfeln unbekannter Herkunft geboten.
Schon einfache Maßnahmen können das Risiko deutlich senken:
- Regelmäßiges Händewaschen
- Nur sicheres Trinkwasser verwenden
- Vorsicht bei Eiswürfeln unbekannter Herkunft
- Obst möglichst schälen
- Speisen gut durchgaren lassen

In diesem Zusammenhang spielt auch die Hepatitis-A-Impfung eine wichtige Rolle. Die Erkrankung wird über verunreinigte Lebensmittel oder Trinkwasser übertragen und lässt sich durch eine Impfung zuverlässig verhindern.
Viele denken dabei ausschließlich an Fernreisen. Tatsächlich kommt Hepatitis A aber auch in Europa immer wieder vor. Immer wieder werden Erkrankungen nach dem Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln beschrieben – beispielsweise nach dem Verzehr von rohen Austern oder anderen Meeresfrüchten. Auch in Deutschland gab es bereits entsprechende Fälle.
Deshalb gilt: Hepatitis A ist keine reine „Fernreise-Erkrankung“. Das Risiko steigt auf Reisen zwar deutlich an, die Erkrankung ist jedoch nicht auf tropische Länder beschränkt.
Je nach Reiseziel, Reisedauer und Art der Reise können außerdem weitere Impfungen – beispielsweise gegen Typhus – sinnvoll sein. Deshalb sollte die Impfempfehlung immer individuell erfolgen.
Die Reiseapotheke – lieber vorbereitet als überrascht
Neben dem passenden Impfschutz gehört für mich auch eine gut ausgestattete Reiseapotheke zu jeder Reisevorbereitung.
Von der Wundversorgung über Medikamente gegen Durchfallerkrankungen bis hin zu Notfallmedikamenten – der Inhalt einer Reiseapotheke sollte immer zum Reiseziel und zur Art der Reise passen.
Was sinnvoll ist, hängt von vielen Faktoren ab: dem Reiseziel, der Reisedauer, den geplanten Aktivitäten und natürlich auch von bestehenden Vorerkrankungen. Deshalb gibt es keine Reiseapotheke „von der Stange“.
Gerade bei Fernreisen ist es beruhigend, wichtige Medikamente bereits dabeizuhaben, anstatt sie im Ernstfall erst im Ausland beschaffen zu müssen.
Sprechen Sie uns gerne an – wir beraten Sie individuell zu Ihrem Impfschutz und stellen gemeinsam mit Ihnen eine Reiseapotheke zusammen, die zu Ihrem Reiseziel und Ihren persönlichen Bedürfnissen passt.

Mein Fazit
Reisemedizin bedeutet weit mehr, als nur eine Liste von Impfungen abzuarbeiten. Oft sind es die vermeintlich kleinen Details – ein Kratzer durch ein Tier, ein Mückenstich, mangelnde Lebensmittelhygiene oder eine gut zusammengestellte Reiseapotheke –, die darüber entscheiden, ob eine Reise unbeschwert verläuft.
Genau deshalb habe ich vor unserer eigenen Mexiko-Reise noch einmal den Impfstatus unserer Familie überprüft, unsere Reiseapotheke individuell zusammengestellt und mich intensiv mit den gesundheitlichen Besonderheiten unseres Reiseziels beschäftigt.
Wenn auch Sie eine Fernreise planen, sprechen Sie uns gerne an. Im Rahmen einer reisemedizinischen Beratung prüfen wir gemeinsam Ihren Impfschutz, besprechen mögliche Gesundheitsrisiken und stellen Ihre Reiseapotheke passend zu Ihrem Reiseziel zusammen.
Denn guter Reiseschutz beginnt nicht erst am Flughafen – sondern bereits bei der Reiseplanung.

Hinweis: Dies ersetzt keine individuelle medizinische Beratung.