Sommerhitze – unterschätzte Gefahr für unsere Gesundheit

Es wird heiß – ein Vorgeschmack auf den Sommer in Deutschland. In unserer Praxis beobachten wir dann regelmäßig, dass vermehrt Patientinnen und Patienten über Schwindel, Kreislaufprobleme, Blutdruckschwankungen, Kopfschmerzen oder allgemeine Erschöpfung klagen.

Hitze ist mehr als nur unangenehm. Sie stellt inzwischen eines der größten Gesundheitsrisiken in Deutschland dar. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder anderen Vorerkrankungen, kleine Kinder, Schwangere sowie Menschen, die bestimmte Medikamente einnehmen.

Der Deutsche Wetterdienst warnt inzwischen regelmäßig vor starker Hitzebelastung. Die Daten der Gesundheitsbehörden zeigen, dass hohe Temperaturen jedes Jahr zu mehreren tausend hitzebedingten Todesfällen in Deutschland führen können. Viele Menschen unterschätzen dieses Risiko, obwohl sich bereits einfache Schutzmaßnahmen umsetzen lassen.

Doch ab wann spricht man eigentlich von einer Hitzewelle?

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) spricht meist ab mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen mit über 28 °C von einer Hitzewelle, auch nachts ist dann keine ausreichende Abkühlung mehr möglich. Besonders belastend sind sogenannte Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 °C fällt.

Aktuelle Hitzewarnungen finden Sie beim Deutschen Wetterdienst oder in vielen Wetter-Apps auf Ihrem Smartphone. Gerade Menschen aus den Risikogruppen sollten entsprechende Warnungen ernst nehmen und ihr Verhalten entsprechend anpassen.

Was können Sie konkret tun?

Schon einfache Maßnahmen können helfen, gesundheitliche Probleme während einer Hitzewelle zu vermeiden:

  1. Verlegen Sie körperliche Aktivitäten möglichst in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden. Vermeiden Sie anstrengende Tätigkeiten während der Mittagshitze.
  2. Lüften Sie früh morgens und nachts. Halten Sie Fenster und Rollläden tagsüber möglichst geschlossen, um die Innenräume kühl zu halten.
  3. Tragen Sie leichte, helle Kleidung, eine Kopfbedeckung und verwenden Sie Sonnenschutz.
  4. Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Trinken Sie regelmäßig, auch wenn Sie noch keinen Durst verspüren.
  5. Bevorzugen Sie leichte Mahlzeiten mit hohem Wassergehalt, beispielsweise Obst, Gemüse oder Salate.
  6. Kontrollieren Sie Lebensmittel regelmäßig. Hohe Temperaturen können dazu führen, dass Speisen schneller verderben.
  7. Denken Sie an Angehörige, Nachbarn oder Freunde, die Unterstützung benötigen könnten. Ein kurzer Anruf oder ein Besuch kann viel bewirken.
  8. Wenn Sie Medikamente einnehmen, insbesondere Entwässerungstabletten oder bestimmte Blutdruckmedikamente, wenden Sie sich bei Unsicherheiten an uns. Während längerer Hitzeperioden kann eine Überprüfung der Medikation sinnvoll sein.

Und wenn doch einmal der Fall der Fälle eintritt? Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Sonnenstich und Hitzschlag?

Die Begriffe werden häufig verwechselt, bezeichnen aber unterschiedliche Krankheitsbilder.

Sonnenstich

Ein Sonnenstich ist eine lokale Reaktion des Gehirns und der Hirnhäute auf intensive Sonneneinstrahlung im Bereich von Kopf und Nacken. Typische Beschwerden sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Oft fällt ein hochroter Kopf auf. In schweren Fällen kann auch das Bewusstsein beeinträchtigt sein.

Erste Maßnahmen:

  • Bringen Sie die betroffene Person in den Schatten.
  • Lagern Sie den Oberkörper erhöht.
  • Kühlen Sie den Nacken, beispielsweise mit einem Kühlpack oder mit feuchten Tüchern.
  • Sorgen Sie für Ruhe und ausreichend Flüssigkeit.

Suchen Sie bei stärkeren Beschwerden Ihren Arzt auf. Eine bewusstlose Person ist immer ein Notfall – wählen Sie sofort den Notruf 112.

Hitzschlag

Beim Hitzschlag überhitzt der gesamte Körper. Dies kann beispielsweise bei körperlicher Anstrengung in großer Hitze oder durch längeren Aufenthalt in überhitzten Räumen oder Fahrzeugen geschehen. Die körpereigene Temperaturregulation ist überlastet.

Leider hören wir jeden Sommer von Kindern, die in einem abgestellten Fahrzeug zurückgelassen wurden und dabei einen Hitzschlag erlitten haben. Ein Hitzschlag kann lebensbedrohlich sein.

Typische Symptome sind:

  • heiße Haut
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • starke Erschöpfung
  • erhöhte Körpertemperatur
  • Verwirrtheit
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit

Erste Maßnahmen:

  • Bringen Sie die betroffene Person möglichst in den Schatten oder an einen kühlen Ort.
  • Lockern oder entfernen Sie überflüssige Kleidung.
  • Ist die Person wach und ansprechbar, geben Sie ihr etwas zu trinken – idealerweise handwarmes Wasser oder andere nicht zu kalte Getränke in kleinen Schlucken.
  • Streichen Sie mit einem handwarmen, feuchten Tuch von außen nach innen über Arme und Beine. Dadurch kann die Wärmeabgabe über die Haut unterstützt werden.
  • Organisieren Sie ärztliche Hilfe oder rufen Sie den Rettungsdienst an.

Bei Bewusstseinsstörungen oder Bewusstlosigkeit wählen Sie sofort den Notruf 112.

Ein wort zu Ihren Medikamenten

Gerade unsere älteren Patientinnen und Patienten nehmen häufig mehrere Medikamente gleichzeitig ein. Was viele nicht wissen: Bei großer Hitze können manche Arzneimittel anders wirken als gewohnt.

Vor allem Entwässerungstabletten und bestimmte Blutdruckmedikamente können dazu beitragen, dass der Körper schneller Flüssigkeit verliert oder der Blutdruck zu stark absinkt. Die Folgen können Schwindel, Schwäche oder sogar Stürze sein.

Bitte verändern Sie Ihre Medikamente niemals eigenständig. Wenn Sie unsicher sind oder während einer Hitzewelle Beschwerden haben, melden Sie sich bei uns. Wir beraten Sie gerne und prüfen gemeinsam, ob Handlungsbedarf besteht.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Robert Koch-Institut (RKI): Klimawandel und Gesundheit
  • Deutscher Wetterdienst (DWD): Hitzewarnsystem Deutschland
  • Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Hitzeschutz im Gesundheitswesen
  • KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e. V.
  • Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)

Hinweis: Ersetzt keine individuelle medizinische Beratung.